Wo des herkummt
Woher kommt Monnemerisch?
Monnemerisch ist eine Spielart des Kurpfälzischen. Es gehört zum Rheinfränkischen und ist eng mit dem Pfälzischen verwandt. Ein Überblick ohne Lehrbuchton.
Ein Teil der Kurpfalz
Die Kurpfalz war über Jahrhunderte ein eigenes Territorium mit Heidelberg und später Mannheim als Residenz. 1720 verlegte Kurfürst Karl Philipp seinen Hof von Heidelberg nach Mannheim. Das Gebiet reichte auf beiden Seiten des Rheins weit ins Land. Diese gemeinsame Geschichte hört man bis heute. Was in Mannheim gesprochen wird, unterscheidet sich vom Pfälzischen in Ludwigshafen oder Neustadt eher in Nuancen als im Grundsätzlichen.
Sprachwissenschaftlich gehört das Kurpfälzische zum Rheinfränkischen, einer Gruppe westmitteldeutscher Mundarten. Dazu zählen auch das Pfälzische links des Rheins und das Südhessische. Nach Süden hin, Richtung Kraichgau und Karlsruhe, gehen die Mundarten allmählich ins Südfränkische über, weiter südöstlich beginnt das Schwäbische.
- Sprachfamilie
- Westmitteldeutsch, Rheinfränkisch
- Nächste Verwandte
- Pfälzisch, Südhessisch
- Typische Merkmale
- weiche Konsonanten, „isch“, weggelassenes End-n, „mer“ für wir
- Schreibweise
- nicht festgelegt, man schreibt, wie man hört
Hiwwe wie driwwe
Der Rhein ist heute eine Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Für die Mundart war er lange keine. Wer in Mannheim „Grumbeere“ sagt, wird in Ludwigshafen verstanden, und das „Dubbeglas“ ist auf beiden Seiten zu Hause. Unterschiede gibt es trotzdem. Das Mannheimer Kurpfälzisch gilt als städtischer und rauer, das Pfälzische an der Weinstraße als breiter und gemütlicher. Wer genau hinhört, erkennt auch Unterschiede zwischen einzelnen Mannheimer Stadtteilen. Die alten Vororte haben ihre dörfliche Mundart oft länger bewahrt als die Innenstadt.
Wörter aus dem Französischen
Im Kurpfälzischen und Pfälzischen steckt eine Reihe von Lehnwörtern aus dem Französischen. Woher sie im Einzelnen stammen, lässt sich nicht immer sicher sagen. Die Region lag lange in der Nachbarschaft Frankreichs, das linksrheinische Gebiet gehörte um 1800 einige Jahre zu Frankreich, und Französisch war an vielen Höfen die Sprache der Oberschicht. Auch Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und den Niederlanden siedelten im 17. Jahrhundert in der Kurpfalz. Welchen Anteil jede dieser Quellen hat, ist schwer zu trennen.
| Monnemerisch | Französisch | Bedeutung |
|---|---|---|
| Trottwar | trottoir | Gehweg |
| Schees | chaise | Kinderwagen |
| Parablie | parapluie | Regenschirm |
| Adschee | adieu | Tschüss |
| alla | allez | los, also |
| Bagasch | bagage | Gepäck, abwertend: Gesindel |
| Lawor | lavoir | Waschschüssel |
| bressiere | presser | eilen |
| Malöhr | malheur | Missgeschick |
Manche Wörter haben noch andere Wurzeln. „Zores“ für Ärger kommt aus dem Jiddischen und ist im ganzen Südwesten verbreitet. Bei „Fisemadende“ wird gern eine französische Herkunft erzählt, belegt ist sie nicht.
Wie sich die Mundart verändert
Monnemerisch wird heute anders gesprochen als vor fünfzig Jahren. Viele Mannheimer sprechen einen regionalen Ton, aber keine volle Mundart mehr. Man hört das „isch“ und das weiche d, doch Wörter wie „Lawor“ oder „Bettlad“ kennen Jüngere oft nur noch von den Großeltern. Schule, Beruf und Zuzug haben das Hochdeutsche gestärkt.
Gleichzeitig ist Mannheim eine Stadt mit vielen Sprachen. Was auf dem Schulhof gesprochen wird, mischt Kurpfälzisch mit Wörtern aus anderen Sprachen und mit Jugendsprache. Auch das ist Mundart im Wandel. Und an Fasnacht, auf der Kerwe und auf dem Markt lebt die alte Form weiter, manchmal mit einem Augenzwinkern.
Eine Mundart stirbt nicht, wenn sie sich ändert. Sie stirbt, wenn keiner mehr zuhört.
Zum Weiterlesen
Für eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema lohnt sich der Blick in die Mundartwörterbücher der Region, etwa das Pfälzische Wörterbuch, sowie in die Bestände der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs. Wir verweisen bewusst nicht auf einzelne Zahlen zur Zahl der Sprecher, weil es dazu keine verlässlichen aktuellen Erhebungen gibt, die wir kennen.
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